Massai, Serengeti in ihrem traditionellen Lebensraum

Ich kam als Fremder und ging als Freund. Otto, mein Fahrer, brachte mich in die entlegensten Winkel
des Landes, dorthin, wo die rote Erde staubt und das weite Land nur von wenigen Wegen durchzogen wird.
Ich wollte die Massai kennenlernen, ohne zu wissen, was mich dort erwartete.

Als ich ankam, trat mir ein junger Massai mit wachsamen Augen entgegen. Er fragte mich offen, was ich wolle.
Seine Haltung war stolz, aber nicht abweisend. Ich erklärte ihm, dass ich gekommen sei, um zu lernen —
über ihr Leben, ihre Kultur, ihre Geschichte.

Zu meiner Überraschung hellte sich sein Gesicht auf. Er winkte mich näher, und ehe ich mich versah,
wurde ich in eine Runde aus Männern, Frauen und Kindern eingeladen. Man bot mir Ziegenmilch,
getränkt mit Rinderblut an, die sogenannte Blutsuppe, hui  Augen zu und einen großen Schluck, da mußte ich durch.
Sie zeigten mir die kunstvoll geschmückten Schmuckstücke und erzählten von den alten Riten. Otto war nicht nur die gute Seele,
die mich überall hin fuhr, er übersetzte auch, so das ich verstehen konnte.

Ich durfte am Feuer sitzen, ihre Tänze sehen und ihre Sprache hören. Niemand hielt mich auf Distanz.
Im Gegenteil: Je länger ich blieb, desto näher ließen sie mich an ihrem Leben teilnehmen.
Wie für die tägliche Nahrung gesorgt wird, konnte ich mit Ihnen zusammen bei der Jagd erleben.

Am  Abend, als der Himmel sich violett färbte, spürte ich, dass hier etwas gewachsen war
— ein stilles Vertrauen, das Fremde und Freunde nicht mehr unterschied.